Verkaufen ohne Reue

16. September 2020
Buchhaltung - Amazon - Rechnungsstellung

Damit aus Rechnungsstellung, Lieferschwellen und Amazon Pan-EU keine Stolpersteine werden.

Der Businessplan ist geschrieben und von Bank und Steuerberater geprüft. Startkapital ist durch die Bank ausreichend vorhanden. Die Warenwirtschaft ist mit Amazon verbunden und die ersten Verkäufe laufen. Eigentlich alles Gründe, die einen Onlinehändler positiv in die Zukunft blicken lassen würden – wäre da nicht das in den meisten Fällen Kopfschmerzen bereitende Thema: die Buchhaltung. Damit aus den Kopfschmerzen nicht direkt eine chronische Migräne wird, haben wir für Sie in Zusammenarbeit mit Steuerberater Ralf Oßwald von etaxpert.de die wichtigsten Punkte zusammengefasst, die Sie in Sachen Grundlagen der korrekten Rechnungsstellung, Lieferschwellen und Amazon Pan-EU im Bezug zur Buchhaltung wissen sollten.

Grundlagen korrekter Rechnungsstellung

Die wichtigste Grundlage aus Unternehmersicht ist die Einhaltung der Fristen für die Abgabe der Umsatzsteuervoranmeldung (USt-VA), der Zusammenfassende Meldung (ZM) und die Rechnungsstellung. Wird die Leistung oder Lieferung für ein anderes Unternehmen erbracht, muss die Rechnungsstellung innerhalb von sechs Monaten nach vollständiger Leistungserbringung erfolgen. Im Gegensatz dazu gibt es bei der Leistungserbringung für Privatpersonen keine Frist. Die Umsatzsteuer auf diese Umsätze muss aber trotzdem abgeführt werden, ebenfalls müssen die Umsätze in die ZM-Meldung fließen (auch ohne Rechnung), daher muss auf eine korrekte Rechnungsstellung als Grundlage für die steuerlichen Pflichten geachtet werden.

Folgende Bestandteile sollte eine Rechnung grundsätzlich beinhalten:

  • Vollständiger Firmenname, Adresse und die internationale EU VAT-Nummer

  • Eindeutige und fortlaufende Identifikation der Rechnungsnummer

  • Datum der Rechnungsstellung

  • Datum der Transaktion oder Zahlung, wenn eine Abweichung vom Datum der Rechnungsausstellung besteht

  • Vollständiger Name und Adresse des Kunden

  • Lieferdatum

  • Beschreibung der Ware(n) oder Dienstleistung(en)

  • Menge der Ware(n) oder Dienstleistung(en), inkl. Einheitspreis ohne Mehrwertsteuer und Mehrwertsteuersatz pro Artikel

  • Gesamtbetrag der zu zahlenden Mehrwertsteuer

  • Gesamt zu zahlender Nettobetrag (ohne Mehrwertsteuer)

  • Angewandter Mehrwertsteuersatz (Prozentsatz)

  • Gesamtbetrag (brutto)

Ausnahmen bilden in Deutschland die sogenannten Kleinstbetragsrechnungen. Solange der Brutto-Rechnungsbetrag 250,00 EUR nicht überschreitet, muss eine Rechnung mindestens folgende Bestandteile beinhalten:

  • Den vollständigen Namen und die vollständige Anschrift des leistenden Unternehmers

  • Das Ausstellungsdatum

  • Die Menge und die Art der gelieferten Gegenstände oder den Umfang und die Art der sonstigen Leistung (zutreffende Leistungsbeschreibung)

  • Das Entgelt und den darauf entfallenden Steuerbetrag für die Lieferung oder sonstige Leistungen in einer Summe sowie den anzuwendenden Steuersatz oder im Fall einer Steuerbefreiung einen Hinweis auf die Steuerbefreiung

Die Steuernummer oder die USt-IdNr. des leistenden Unternehmens muss dagegen nicht aufgeführt werden.

Rechnungsschreibende Programme und Warenwirtschaftssysteme liefern hier dem Onlinehändler in den meisten Fällen eine willkommene Unterstützung, indem sie Lieferschwellen überwachen und bei Überschreitung den Umsatzsteuersatz des Bestimmungslandes automatisch in der Rechnung ausweisen.

 

Lieferschwelle und Amazon Pan-EU

Die Lieferschwelle in ein bestimmtes EU-Land stellt grundsätzlich die Grenze dar, bis zu der ein Unternehmen die Umsatzsteuer für Lieferungen an Privatpersonen (B2C) (§ 3c Abs. 3 UstG) in dem Land seines Unternehmenssitzes abführen muss. Wird der Schwellenwert im Zielland überschritten, ergeben sich zwangsläufig Konsequenzen für den Händler. Im ersten Schritt hat die steuerliche Registrierung in dem Land zu erfolgen, in das versendet wird, und im zweiten Schritt muss dann die Umsatzsteuer im Zielland (Empfängerland) berechnet und abgeführt werden. Zwecks der eigenen Absicherung ist es bei beiden Schritten ratsam, einen Steuerberater bzw. Dienstleister wie amavat zu bevollmächtigen und ihm diese Aufgaben zu übertragen.

Mit Amazon Pan-EU bietet Amazon seinen Händlern eine FBA-Lösung an, die vor allem für Onlinehändler geeignet ist, die bereits sehr erfolgreich sind und ihr Geschäft weiter ausbauen möchten. Dabei ist es dem Onlinehändler möglich, seine Ware in den sieben Pan-EU Ländern (Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien, Frankreich, Polen und Tschechische Republik) einzulagern und auf dem kompletten Amazon-Markt zu verkaufen. Darüber hinaus werden die Produkte mit dem Amazon-Prime-Logo gekennzeichnet. Neben dem grundsätzlichen Vorgehen beim Überschreiten der Lieferschwelle muss hier immer vom Händler eine umsatzsteuerliche Anmeldung im Lagerland vorgenommen, der Erwerb erklärt und eine Steuererklärung abgeben werden. Empfehlung: Registrierung im entsprechenden Land vor Aktivierung Amazon Pan-EU.

 

Lieferschwelle unterjährig überschritten – was tun?

Grundsätzlich greift die Lieferschwelle nur im B2C-Bereich und bezieht sich auf die Nettobeträge und das Kalenderjahr. Der Nettobeitrag setzt sich dabei aus dem Warenwert und den Versand- und Verpackungskosten zusammen. Was zu tun ist, wenn die Lieferschwelle des Landes, in das versendet wird, überschritten wird, regeln die Leitlinien des Mehrwertsteuerausschusses der EU-Kommission. So sind die Mitgliedsstaaten am 20. März 2002 einstimmig zu der Auffassung gelangt, dass die Lieferung, mit welcher der Schwellenwert überschritten wird, und alle nachfolgenden Lieferungen desselben Kalenderjahres im Bestimmungsland besteuert werden.

Die gilt jedoch nicht nur für das laufende Kalenderjahr, sondern automatisch auch für das Folgejahr – auch wenn dann die Nettoumsätze die Lieferschwelle gar nicht überschreiten sollten. Zudem muss im Bestimmungsland ebenfalls eine Umsatzsteuervoranmeldungen oder Steuererklärung abgegeben werden.

 

Kann auf eine Lieferschwelle verzichtet werden?

Ja, E-Commerce funktioniert grundsätzlich auch ohne Lieferschwelle. Über das Umsatzsteuerrecht besteht die Möglichkeit, dass ein Onlinehändler auf diese Praxis verzichtet. In diesem Fall ist der Onlinehändler ab dem ersten Umsatz im Land des Käufers, unabhängig von der Umsatzhöhe, steuerpflichtig. Ist der Steuersatz im Bestimmungsland niedriger als im Ursprungsland, kann ein Verzicht durchaus sinnvoll sein, da sich durch die Minimierung der Steuerlast die Marge erhöht. Da auf Grund der Lagernutzung im Ursprungsland trotzdem eine Umsatzsteuervoranmeldung erfolgen muss, fallen trotzdem Erklärungspflichten und entsprechende Kosten an. Es ist dementsprechend zu empfehlen, das tatsächliche Einsparungspotenzial vorab mit seinem Steuerberater durchzurechnen.

Ist die Entscheidung pro Lieferschwellenverzicht gefallen, muss der Verzicht bei dem Finanzamt beantragt werden, welches das Besteuerungsrecht verliert. Innerhalb dieses formlosen Prozesses muss zudem ein Nachweis erbracht werden, dass zukünftig die Umsatzsteuer im Bestimmungsland abgeführt wird.

Hinweis: Der Verzicht gilt immer für ein komplettes Kalenderjahr und hat eine Bindung von zwei Kalenderjahren. Zudem sollte der Verzicht optimalerweise im Voraus angemeldet werden.

Welche Lieferschwellen sind aktuell gültig?

Stand 01.09.2020 sind folgende Lieferschwellen gültig
(Auszug ohne Gewähr oder Anspruch auf Vollständigkeit):

Belgien 35.000 EUR
Dänemark 280.000 DKK (37.668 EUR)
Deutschland 100.000 EUR
Frankreich 35.000 EUR
Griechenland 35.000 EUR
Italien 35.000 EUR
Luxemburg 100.000 EUR
Niederlande 100.000 EUR
Österreich 35.000 EUR
Polen 160.000 PLN (37.154 EUR)
Spanien 35.000 EUR
Tschechien 140.000 CZK (42.189 EUR)
Ungarn 35.000 EUR
Vereinigtes Königreich 70.000 GBP (82.489 EUR)

Ab dem 01.07.2021 wird dann in der gesamten EU die Lieferschwelle auf einen einheitlichen Grenzwert von 10.000 EUR pro Jahr abgesenkt. Das Vorgehen bei Unter- bzw. Überschreitung der Lieferschwelle bleibt unberührt.

 

Fazit

Lieferschwellen, Amazon Pan-EU und die korrekte Rechnungsstellung beinhalten einige Herausforderungen, die für einen Onlinehändler schnell zum Stolperstein werden können. Gerade in der Startphase des Unternehmens gilt es besonnen zu agieren, sich Expertenrat durch einen Steuerberater einzuholen und somit die Basis für die richtigen Entscheidungen zu schaffen. Denn diese wirken sich nicht nur auf Ihre Buchhaltung, sondern auf Ihren langfristigen Erfolg als Onlinehändler aus.

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